Liebe LeserInnen!
Das Kreuz ist ein Liebesakt. Christus stirbt, damit ich nicht sterben muß wegen meiner vielen Sünden, den Bosheiten, die mir in den Sinn kommen, wenn ich meine Kollegen predigen sehe und die Feigheit und Verschlafenheit der Kirche insgesamt, die enger zusammenrückt, weil ihr die Menschen davonlaufen.
Manche gucken aber Fernsehen und da
gibt es
Pfarrer Braun mit Ottfried Fischer und dem so wunderbar korrupten
Bischof Hemmelrat. Von Otti habe ich das Beten neu gelernt.
Hallo Gott, ich
hätte da eine Frage. Ich habe gelernt bei
meinen Lehrern Hans Georg Geyer und einem gewissen boshaften Eberhard
Jüngel in
Tübingen, daß im Lukasevangelium 22,42 Jesus gerne
den Kelch des Foltertodes
von 7 schmerzhaften Stunden des Erstickens am Kreuz an sich
vorübergehen lassen
wollte und DIR sagte, daß DU alles vermagst. Also auch, ihn
verschonen vorm Kreuz. Aber nicht wie er wollte, sondern wie Du, HERR,
es willst. kai\
e)/legen, Abba o( path/r, pa/nta dunata/
soi: pare/negke to\ poth/rion tou=to a)p' e)mou=: a)ll' ou) ti/ e)gw\
qe/lw
a)lla\ ti/ su/. Er
starb also DIR zuliebe und deshalb sagen meine Lehrer, es war ein
"innertrinitarischer Liebesakt". Der fromme Christ stellt sich sofort
irgendeinen Schweinskram vor. Hörmal Gott,
war das vielleicht ein riesiges Mißverständnis,
daß die Jünger gepennt haben,
während Jesus mit dir verhandelt hat, und überhaupt
keiner sagen kann, was da
wirklich zwischen Jesus und DIR gesprochen wurde? Daß DU
überhaupt nicht von
ihm verlangt hast, daß er sich vor dem Hohen Rat als Dein
Sohn und König der
Juden (Lk 23,3) aufspielt, was er auch sonst nie in seinem Leben und
seiner
Heilungsarbeit gemacht hat. Herodes und Pilatus fanden ihn doch beide
toll und
überhaupt nicht schuldig, anders als die Hohepriesterclique.
Danach war ja dann
klar, die werden ihn als Aufrührer, als
Messias-Anwärter, als Revoluzzer töten
müssen. Sein ganzes Leben lang hatte Jesus nie mit den Zeloten
sympathisiert.
Wieso dann in Jerusalem plötzlich? Wie kommt so ein
Sinneswandel? Hast du ihm
etwa den Kopf verdreht?
Hier spricht
Gott, lieber Micha. Ich war
das nicht, ich habe
meinem lieben Sohn Jesus in Gethsemane niemals irgendwas
erzählt von Sünden der
Menschheit auf sich nehmen und dann als Opferlamm am Kreuz verrecken.
Ehrlich
gesagt bin ich ziemlich geschockt darüber, was die Leute
damals von mir gedacht
haben. Ich soll meinen Sohn totfoltern lassen, damit die Menschen nicht
von mir
für ihre Verbrechen getötet werden, Bullshit. Ich bin
zwar oft ganz schön
entsetzt, was die so treiben da unten, aber ich kann da nicht
eingreifen und
ich könnte niemals die allesamt töten, nur weil sie
zu doof sind, miteinander
in Frieden und Gerechtigkeit zu leben. Es tut mir in der Seele weh, was
das für
eine Welt ist und wie brutal da viele mit ihren Mitgeschöpfen
umgehen, auch mit den Tieren. Aber ich
kann es nicht ändern, das können nur die da unten
alleine. Ich hatte mir so
gewünscht, daß sie auf Jesus hören und
seinem Beispiel nacheifern. War wohl
nix. Aber eins kann ich dir sagen, Micha: ich habe
Jesus niemals gesagt, er
soll mir zuliebe ans Kreuz gehen. Es ist so schrecklich
gewesen, seinen Tod mit
ansehen zu müssen. Aber auch die unzähligen anderen
Menschen, die unterdrückt
werden, gequält, gefoltert, bei jedem blutet mein Herz und ich
sehne mich sooo (ooooooooooooooooooooooooooooooooooo)
sehr nach einer Veränderung unter den Menschen. Bisher ist
nichts besser
geworden. Eher noch brutaler und gewissenloser. Eine Scheiße
ist das, jetzt mal
auf gut deutsch gesprochen, mit Hebräisch hast du es ja nicht
so. Also nochmal
zum Mitschreiben auf deinem Computer: Ich will, daß
die Menschen
glücklich werden und zwar allesamt und nicht nur die Reichen.
Und sag das mal
den paar Hanseln weiter, die du siehst. Und mit kreuzigen habe ich es
nicht so,
das ist nicht meine Welt. Diese ganze Quälerei unter den
Menschen, das
frustriert mich und macht mich von Jahrhundert zu Jahrhundert
verzweifelter.
Was der Jüngel da für einen Quatsch über
mich geschrieben hat, vergiß es. Mach
lieber schön Musik, da kannst du wenigstens keinen
ärgern. So, jetzt bin ich
müde und muß eine Runde schlafen und schlummern.
Tschüß Micha.
Ja, liebe
Lese-Gemeinde, so sprach Gott zu mir und ich kann
Entwarnung geben, der Tod Jesu war kein gottgefälliger
Liebesakt Jesu, um den
Vater im Himmel von seiner Idee abzubringen, uns alle verrecken zu
lassen,
sondern es war die Angst von Priestern in Jerusalem, ein Mensch mit
einem so
radikalen Eintreten für die Mühseligen und Beladenen
könnte ihre harte Ordnung
ankratzen.
Was ja typisch war beim Tod Jesu: Es war die Kirche, die die Politiker zur Hinrichtung getrieben hat. Wir kennen das aus dem Mittelalter, die Scheiterhaufen, das Verbrennen oder Ertränken und Foltern der Ketzer, die einfach weiter waren in ihrer Gotteserkenntnis und Weltkenntnis als der vertrottelte Verein der kirchlichen Chefetage. Und all die Grausamkeiten werden dann immer im Namen Gottes gemacht. Jesu Passion ist noch lange nicht zu Ende. Jesu Passion geht weiter, von Priestern betrieben. Er wird zum Idol am Kreuz erhöht, offiziell ist man prüde, aber Jesus wird fast nackig dargestellt in dieser gruseligen Folterszene oben am Kreuz, das ist nicht jugendfrei oder kindgemäß. Genau das, wogegen Jesus aufgestanden ist, Gewalt, wird in den Kirchen als höchstes Symbol angebetet. Ich finde das schokierend und abartig. Mit jedem Menschen, der Gewalt leiden muß von anderen Menschen, leidet Gott selbst mit. Und er macht das nicht aus Spaß am Leiden, sondern weil er will, daß wir endlich damit aufhören, uns gegenseitig Leid zu bereiten. Gott sehnt sich nach der Offenbarung seiner Herrlichkeit. Er sehnt sich nach einer friedlichen Welt und glücklichen Menschen. Amen.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Und gleich noch ein Bemerkung über Ostern. Warum so fix nach der Kreuzigung die Masse von diversen und überhaupt nicht miteinander vereinbaren Ostergeschichten, die allein durch ihre Vielzahl und Unvereinbarkeit zeigen, wie unterschiedlich sich die Damaligen ausgeschmückt haben, was 1 Kor 15,5 als Gesehenwerden Jesu durch Petrus und danach den Zwölfen, als ooftä, kaiì oÀti wÓfqh Khf#=, eiåta toiÍj dw¯deka auf griechisch, das früheste Zeugnis von Jesu Auferstehung war. Apropos 12: War Judas da nicht bereits erhängt? Es waren Visionen der Trauer über den Verlust des Meisters und Rabbi Jeschua. Es waren ansteckende Zeichen der Liebe und Verehrung des Menschen Jesus, der für die Armen, Ausgestoßenen, die Opfer der Gesellschaft gelebt hat. Es war der Auftakt, weiterzumachen wie Jesus und seine Sorge um die Verlorenen fortzusetzen. Genau so ist Jesus tatsächlich als Motor der Menschlichkeit wieder auferstanden und das waren nicht nur die trauernden Jünger und Frauen um Jesus herum, sondern das war die Vollmacht Jesu, die als Mut zur Menschlichkeit in den Nachfolgenden, in der sich bildenden Kirche, weitergewirkt hatte. Daß Jesus ins Keryma auferstanden sei, wie Bultmann schlau fabuliert, bleibt an der Oberfläche des Wortes, wo es doch aufs Handeln ankommt. Wenn Nachfolge bloßes Gesabbel bleibt, bleibt es um die Kirche traurig bestellt. Als Planung, als Theorie und Entwurf einer Handlung, mag Wort und Abstimmung untereinander wichtig sein. Dann aber kommt das Tun des Gerechten und Guten und da beginnt erst die Macht Gottes wirklich und wirkend. Das genau wäre Ostern und da genau wäre Jesus leibhaftig auferstanden - hinein in unsere für Gerechtigkeit und Frieden arbeitenden Leiber.
Jüngel entwickelt die innertrinitarische Liebe von Vater und Sohn. "Gott versöhnt die Welt mit sich, indem er sich im Tode Jesu gegenübertritt als Gott der Vater und Gott der Sohn, ohne mit sich uneins zu werden."[1] Dies ist eine contradictio in adiectio. So johannäisch er daherkommt, Vater und Sohn sind niemals eins und erst recht nicht da, wo der Sohn den Vater mordet wie bei Freud oder im Krimi. Ebenso nicht umgekehrt im Sohnesmord des Vaters. Was an der Vater-Sohn-Liebe am Kreuz trinitarisch sein soll, wie also der Geist heilig sein soll, der diesen Sohnesmord des Vaters betreibt, ist für Jüngel kein Thema. Da reichen schon zwei für die Trinität.[1] Eberhard
Jüngel, Gott als Geheimnis der Welt. Zur Begründung
der Theologie des
Gekreuzigten im Streit zwischen Theismus und Atheismus,
Tübingen3; Mohr, 1978 § 23 S.
504ff; Henning Theißen, Hans-Georg Geyers Behandlung
der
Dogmatik in seinen akademischen Vorlesungen, in: Neugieriges Denken.
Die
Lehrtätigkeit und das theologische Werk von Hans-Georg Geyer.
Mit vier
unpublizierten Predigten von Hans-Georg Geyer, herausgegeben von Frank
Dittmann, Thorsten Latzel und Henning Theißen,
Greifswalder Theologische Forschungen
(GThF), Herausgegeben von Christfried Böttrich
im Auftrag der Theologischen
Fakultät Greifswald, Band 30, Evangelische Verlagsanstalt
Leipzig 2018, 31-72,
44: „Die Deutung des Kreuzes Jesu Christi als doppelte
Hingabe kommt also nicht
zu dem zu deutenden Faktum hinzu, sondern beschreibt dieses
sachgemäß
trinitarisch; d. h.: anders als trinitarisch kann von Hingabe im
Kreuzestod gar
nicht gesprochen werden. […] Jesus ist m.a.W. so sehr Sohn,
dass er diese Liebe
auch am Kreuz festhält und mit dem Abba des Gethsemanegebets
oder dem
lukanischen Sterbewort »Vater, in deine Hände
befehle ich meinen Geist« (Lk
23,46) noch im Tod darauf insistiert, der Sohn dieses Vaters zu
sein.“ Theißen referiert dies zustimmend.